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It`s just a rumour that was spread around town...

 

Die Schachtelfrage

Okay, geschwindelt: Das ist gar keine verschachtelte Frage an den Kosmos. Anders wäre diese Erkundigung aber schwer zu rubrifizieren.

Also: Ist es gut oder schlecht, wenn es nach vier Wochen immer noch fast unvermindert gleich stark wehtut?

Wurde hierorts bereits erwähnt, dass der Eintritt in den Personalstand des Wehrkörpers eines kleinen, aus staatsschutzrechtlichen Gründen nicht namentlich zu nennenden mitteleuropäischen Landes, das nicht an der heurigen Fussball-EM teilgenommen hat, dessen Präsident derzeit mit Sicherheit nicht an Genitalrasuren denkt und dessen Nationalflagge von einem rachitischen Beutegreifer geziert wird, mit der Abgabe jeglichen Ansatzes von Verstand, Sprachgefühl, Sinn für das Schöne, Gute und Wahre sowie einem lebenslangen Abonnement auf Zwangsneurosen verbunden ist, wobei letztere sich sowohl bei Unterläufeln als auch den hohen Kriegsherren in ihren Tintenburgen in exponentiell steigendem Verfolgungswahn offenbart?

Wenn gewisse politische Kreise in Österreich "Pensionsraub" schreien, weil Mindestrentnern drei, vier Euro monatlich abgezogen werden, die sie aber über die Ausgleichszulage, aus Härtefonds der Sozialversicherungsträger bzw. des Sozialministeriums oder - landtagswahlkampfbedingt - von schwarzen und blauen Landeshäuptlingen erstattet bekommen, und dazu noch behauptet wird, von 700 Euro pro Monat könne niemand leben, wieso fühlt sich dann Frau Wissenschaftsministerin Gehrer nicht stante pede zu einem anschaulichen und beruhigenden Vergleich berufen, die Einsparung mache ja nicht einmal den Gegenwert von einem Seidel Bier pro Monat aus, wie sie das ja bei der Einführung der Studiengebühren getan hat, die eine Menge (wenn auch etwas jüngerer) Menschen betrifft, die oftmals nicht einmal heiße 700 Euro zur Verfügung haben, wobei dort das Seidel Bier pro Tag gemeint war?

Wenn der nette Herr M. von der Unido auf meine Frage, welche Wirtschaftszweige das nach 24 Jahren Bürgerkrieg ziemlich völlig zerstörten Osttimor aus der bitteren Armut heben könnten, freudenstrahlend "Coffee! They have a very special sort of mountain coffee with a very special taste" antwortet und ich nicht nur weiß, dass der Kaffeepreis seit Jahren ununterbrochen fällt, sondern das am Folgetag sogar in der "Welt" steht, welche Meinung soll ich dann von der Wirklichkeitsnähe und Sinnhaftigkeit der Unido haben?

Sollte es den mündigen Bürger, bei aller berechtigten Skepsis gegenüber der Privatisierungspolitik unserer Bundesregierung, nicht noch viel mehr verstören, dass sich die Eisenbahner-Gewerkschaft gegen die Aufspaltung des Infrastrukturbereichs der ÖBB mit dem Argument zur Wehr gesetzt haben, man müsse ja ansonsten Bauvorhaben EU-weit ausschreiben, wodurch die ÖBB-Werkstätten und -Bautrupps in starken Nachteil gerieten, eine Argumentation, die berechtigte Zweifel an Herrn Haberzettls Verständnis für und der Befürwortung des europäischen Binnenmarktes erwachsen läßt?

Läßt sich der nicht ganz so leise Verdacht von der Hand weisen, die wundersame Rettung russischer Bergleute erfülle für den Kreml jene taktische Rolle, die Umberto Eco in seiner Erklärung des politischen Phänomens Berlusconi als "Bombentrick" bezeichnet, und diene folglich der Ablenkung von höchst unerfreulichen Entwicklungen Russlands staatlicher Verfaßtheit?

Sollte sich der kritische Österreicher nicht weniger über die gestiegene Zahl arbeitsloser Akademiker Sorgen machen als vielmehr darüber, dass die massenmediale Berichterstattung darüber im Verein mit der inflationären Verbreitung von Talentsuchwettbewerben und der Ikonisierung von Sportlern und Popmusikern die unverhohlene Botschaft an die Jugendlichen des Landes richtet, Bildung zahle sich eh nicht aus, viel eher erreiche man Ruhm, Wohlstand und folglich (was wohl zu hinterfragen ist) Glück als Schlagersängerin, Skifahrer oder Talkshow-Host?

 

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